Es wird eine letzte große Überwindung sein, den Selbstbetrug nicht mehr mitzumachen.
Die Erfahrungen und mein Weg durch die Zeit, wie er war, scheinen jetzt als Ganzes jeglichen Zufalls enthoben. Dieses Gefühl speist sich aus der täglichen Doppelzüngigkeit der Informationen, die die Minister, Parlamentarier, Kanzler und Wirtschaftsbosse aller Herren Länder der Presse gegenüber erklären, derweil Patienten keine Behandlungstermine bekommen, die KI-gesteuerten Waffensysteme ihre Kontrollierbarkeit verlieren, der Drogenkonsum dem Bier den Rang abläuft und sich den gehobenen Gehaltsklassen eine Jeffrey-Epstein-Industrie als Netzwerk für Geld und Macht zur Verfügung stellt.
Das ist kein Zufall, das ist ein gesetzmäßiger Verfall, dem jeder von uns nur durch den natürlichen Tod entkommen kann, wenn er uns nicht schon vorher holt, wie derzeit in Gaza oder Kiew. Wo soll man anfangen, Optimismus zu verbreiten? Der Umfang der Desillusionierung scheint exponentiell zuzunehmen. Der Widerspruch zwischen dem Wissen über die Fehler, die wir begehen, und die Vorschläge, wie wir diesen begegnen wollen, gleicht einer griechischen Tragödie:
»Die griechische Tragödie behandelt die schicksalhafte Verstrickung des Protagonisten, der in eine so ausweglose Lage geraten ist, dass er durch jedwedes Handeln nur schuldig werden kann. Die herannahende, sich immer deutlicher abzeichnende Katastrophe lässt sich trotz großer Anstrengungen der handelnden Personen nicht mehr abwenden. Der tragische Charakter wird auch mit dem Attribut ›schuldlos schuldig‹ beschrieben. Die behandelten Themen reichen von philosophischen bis zu religiösen und existentiellen Fragestellungen wie: die Seinsfrage; das Individuum und die Welt; Menschen und Götter; Schuld und Sühne; Charakter und Schicksal. Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg, nicht schuldig zu werden, ohne seine Werte aufzugeben (was einem tragischen Akteur nicht möglich ist).« (1)