Ein anderer Schlüsselsatz in dem Drama ›Mutter Courage und ihre Kinder‹, das Bertolt Brecht 1938/39 im Exil schrieb, lautet: »Der Krieg soll verflucht sein.« Das Antikriegsstück handelt von einer geschäftstüchtigen Marketenderin, die in der Zeit zwischen 1624 und 1636 während des Dreißigjährigen Kriegs mit ihrem Planwagen durchs Land zieht und Handel mit Soldaten treibt, im Laufe der Zeit aber alle ihre drei Kinder verliert. (1)
Was passiert jetzt? Trotz der Erfahrung gigantischen historischen Leides richten wir uns schon wieder auf das »notwendige« Übel ein. Wir machen tüchtig Geschäfte, um kriegs-tüchtig zu sein.
Mit Verlaub, manchmal beschleicht mich ein schaurig-schönes Gefühl: Warum bin ich nicht in die Politik gegangen? Dann könnte ich den ganzen Tag Appelle absetzen, die die berechtigten Ängste der Bürger umdeuten und ihnen zugleich für die Behebung dieses seelischen Unwohlseins ein Ziel anbieten: die Aggression, ein Feindbild und die Wut auf die Anderen da drüben und da draußen. Parallel dazu hole ich mir ein Beratervertrag von Rheinmetall und schreibe eine Entschuldigung für Herrn Spahn, natürlich für ein Salär, was sich jenseits des Mindestlohns bewegt. Ich bräuchte mir keine Sorgen mehr zu machen, wie ich bis zum Zehnten des folgenden Monats die Gehälter und die Sozialversicherungsbeiträge zusammenbekomme.
Ich will hier nicht ausführlicher wiederholen, was Georg Rammer im Juni in der ›Ossietzky‹ schreibt: »Viele fühlen sich ohnmächtig einer gigantischen Maschinerie von Beeinflussung und Manipulation ausgesetzt. Nicht nur eine unbeherrschbare technische Entwicklung, sondern besonders der Verlust aller stabilisierenden seelischen Anker in der Realität bildet die Grundlage. Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit? Man schaue die Wahlkämpfe, die Talkshows an, höre Trump, Merz, Netanyahu, Röttgen zu. Mitleid, Empathie, Solidarität? Auslaufmodelle im Neoliberalismus. Vernunft wird durch KI ersetzt, Zukunftshoffnung durch Schutzbunker. Gigantische Summen für Wahnsinnsprojekte des Militärs auf Kosten der Steuerzahler? Die Kinder sollen es besser haben? Sie sollen gefälligst bereit sein, sich für Deutschland durch Killerdrohnen zerfetzen zu lassen. Politiker, die Leute haben Angst vor eurer menschenverachtenden Politik!« (2)
Nein, nein, nein, Meister Rammer, das ist doch bekannt, aber das schüttelt doch keinen TikTok-Make Your Day und Nano-Influencer, sich daran den Krieg vermiesen zu lassen.