Da den meisten von uns politökonomische Zusammenhänge nicht mehr oder noch nie ganz klar geworden sind, beginne ich mit der bekannten Geschichte von der Institution oder Behörde, die noch monatelang weiter funktioniert, obwohl der Arbeitsgegenstand, um den sie sich planetengleich dreht, gar nicht mehr da ist. Dieses theoretische Szenario, das in der späten kapitalistischen Gesellschaft durchaus realistisch ist, würde ich deuten als eine natürliche Reaktion auf das Versäumnis, sich generell mit der Entfremdung von der Arbeit zu beschäftigen.
Diese Entfremdung kennen wir seit 1844. »Marx erkannte, dass der Arbeiter das wachsende Privateigentum des Kapitalisten produziert, der den Arbeiter damit ausbeutet.« Und der »Arbeiter produziere daher nicht nur eine wachsende Zahl ihm fremder Waren, mit ihnen reproduziere er auch zugleich das ihn ausbeutende Lohnarbeitsverhältnis selbst und die Warenförmigkeit seiner Arbeit.«(1)
Ich übersetze in die Konsumentenperspektive: Wir fahren ein Auto, das wir nicht allein herstellen können. Wir kaufen es bei einem Händler, von dem wir nicht wissen, woher er es wirklich hat. Wir wissen nicht, wie viele Zulieferbetriebe dieses Modell hat. Die Elektronik und deren spezifische Bausteine lassen aufgrund investigativer Berichte erahnen, woher sie kommen könnten. Die an der Beschaffung dieser Elemente beteiligten Menschen in diesen Ländern stehen in einem für uns nicht nachvollziehbaren Beschäftigungsverhältnis. Diese entfremdende Verflechtung kann ihre Entsprechung durchaus in der marxschen Ausbeutungssituation von 1844 finden. Wir als Endverbraucher konsumieren friedlich alles, was die Konsumgesellschaft zu bieten hat, aber wissend teilhaben an der Komplexität der Entstehung der Ware können wir nicht.
Nun aber zur Verwaltung des Staates. Neben der Produktion von Kriegs- und Konsumgütern bedarf es auch der Idee des Guten Lebens schlechthin. Nur essen und in den Urlaub fahren wäre als Begründung unserer westlichen Werte und der Moral unserer Lebensweise selbst für Influencer und AfD-Wähler etwas dürftig. Im Verwaltungshandeln taucht das Gute Leben durchaus wieder auf, etwas anders gewandet allerdings, und heißt nun »öffentliches Interesse«.
Die Einrichtung des öffentlichen Rechts als Träger des »öffentlichen Interesses« kann man am besten studieren, wenn man sich die Maschinerie der sogenannten Ausschreibungen zu Gemüte führt.