Ihre Vorraussetzung ist das Wissen - Wissen zum Ge-wiss-Sein

Weltorientierung als globale Orientierung

Arme habt ihr alle Zeit bei Euch – Das Alte Testament berichtet, dass es die Fleischtöpfe des Pharaos waren, nach denen sich das junge Volk Israel um Moses zurücksehnte, als es merkte wie schwer es ist, Freiheit zu leben und zu gestalten. Je größer der Blick in die Welt umso unsicherer werden die Haltepunkte. Die eigene Existenzsicherung scheint sich in einem arbeitsteiligen Prozess mit unzähligen Mitwirkenden darzutun. Der Weg in das gelobte Land wird zu einem kommunikativen Spektakel, in dem alle und keiner mitzuwirken scheinen. Man ahnt dass man ein Teil ist für diese wabbelnde Gemeinschaft.

Die große Orientierung verunsichert angesichts der eigenen Möglichkeiten zur Gestaltung des Werdens und Vergehens. Es entsteht die Sehnsucht nach den kleinen, sicheren Gewohnheiten, wie eben die Fleischtöpfe des Pharaos. Der Preis ist die Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse. Die Armen muss es eben geben, Hauptsache ich gehöre nicht dazu.

Die große Orientierung kann auch ungeduldig machen, man stürmt drauf los, moralisiert, diktiert, verbietet, besetzt, evangelisiert, terrorisiert und erhebt sich selbst. Der Preis ist der Tod des Anderen und die Not der Ablenkung von der Schuld, die man sich auf diese Weise auferlegt. Und die Armen sind immer noch nicht weg.

Die große Orientierung kann aber auch gesund machen an Leib und Seele. Der digitale und teleskopische Horizont setzt uns quasi ins rechte Licht. Teilchen inmitten von Teilchen. Die Funktionen des eigenen Lebens werden durch das Ganze quantifiziert. Hier wird uns gesagt, was gut und böse ist, wir sollen haben, als hätten wir nicht, wir sollen den Balken im eigenen Auge herausziehen, bevor wir den Splitter im anderen Auge sehen. Wir sollen alles verkaufen, was wir haben ... wir sind dann das, was man Land auf und Land ab, als arm bezeichnet; jene notwendige Bedingung, um den unaufgeklärten Menschen zu überwinden.

Da aber Besitz, Stand und Herkunft nach wie vor tragende Säulen unserer Epoche sind, wird es der Reiche verstehen, solch edle Gedanken zu verhindern - indem er dem Kleinen Mann die Fleischtöpfe lässt, damit er eben mehr zu verlieren hat, als nur seine Ketten. Oder wie sagt es Horst Schramm, der kritischste Kabarettist den Deutschland je gehabt hat: 10.00 € über Harz IV wären die glatte Verschwendung - 10,00 € zu wenig und sie schlagen die Scheiben ein.

Solange wir meinen, wir verlören, wenn wir verlieren, solange wird es Arme geben. Der Wunsch Kants, den Menschen nie als Mittel, immer nur als Zweck zu sehen, ist bis heute unerfüllt, weil wir nicht bereit sind, diese Gesetzmäßigkeit des Mammons zu überwinden. Wir dienen dem falschen Herrn; das zu sagen, ist globale Orientierung. Jesus, Buddha und K. Marx gebührt es, solchen globalen Horizont gehabt zu haben, bevor Stegmaier angefangen hat, zu sagen, was globale Orientierung ist. (*)

(*) Werner Stegmaier, Philosophie der Orientierung, Berlin, New York 2008.

Magd oder Mutter, fröhlich muss sie sein – Wenn Philosophen mit einem Bein in der Theologie und Theologen mit einem Bein in der Philosophie stehen, weil sie von ihrer Unzulänglichkeit wissen, dann zeigt das nur, wie unwichtig diese Einteilung ist. Die Philosophie kommt aus der Theologie und die Theologie geht in die Philosophie – oder auch umgekehrt. Wer würde auf der Müllhalde einen Mülleimer aufstellen? Wer würde einen Blumenstrauß in ein Feld von Blumen setzen?
Darum sollten beide klarstellen: Sie sind nicht Stifter von Sinn, sondern Zeiger des Werdens und des Vergehens; sie haben nichts hinzuzufügen und nichts wegzulassen, für niemanden und für nichts auf dieser Welt; sie haben die Alphatiere zu sein, wenn es um die Bewahrung des Lebens geht, und mit gutem Beispiel voranzugehen.
Nun scheint gerade der praktische Teil den beiden nicht so zu liegen, dafür ist der theoretische Teil ihrer Arbeit kunstverdächtig. (Richter, Reihen und Folgen, Buch 3, 17)