Denken und Handeln

Verunsicherung
Was ist der Mensch? –
Die Begriffsbestimmung unterliegt einer sehr undifferenzierten Herangehensweise.
Manche Politiker glauben, dass das Problem schon damit geklärt sei, dass sie Begriffe wie „multikulturelle Gesellschaft“ oder „Bürgergesellschaft“ benutzen. Selbst in der wissenschaftlichen Herangehensweise behilft man sich erst einmal nur damit, einen Fachmann, der sich mit der Thematik schon intensiv und am besten auch schon sehr lange befasst hat, zu benennen und zu zitieren.

Es ist aber notwendig, sich Wort für Wort selbst vorzunehmen, um zu erkennen, wo die Lücken sind.
Das Interesse des Autors sollte schon erkannt werden.
Ich muss den Punkt selbst finden, wo Wissenschaftlichkeit aufhört und die Politik anfängt.

Von unserer Weltanschauung hängt es ab, wie wir uns dem Anderen nähern. Das heißt auch, dass unser Selbstverständnis über das Menschenbild maßgeblich entscheidet, wie wir Kulturen und Religionen beurteilen und verstehen.



Desorientierung
Aktion Plakatierung gegen rechts im Rahmen des Bundesprogrammes "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie - Gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" (hier Lokaler Aktionsplan [LAP] Sassnitz).

Wahlplakate der NPD 2009 in Sassnitz

 

Parallele Plakatierung der Initiative MENSCHENBILDER

 

Haltet den Dieb! – Was habt ihr Angst vor Moscheen in Köln und irgendwo, gebt ihnen die Baugenehmigung, sie sind doch nicht anders als wir, sie sind disziplinierte Steuerzahler, die die Bequemlichkeiten der Konsumgesellschaft suchen – sonst wären sie ja in Vorderasien geblieben. Das Geld, das sie zum Bauen brauchen, ist nicht schwärzer oder weißer, als das, womit Kirchen gebaut werden. Was ist der Verkauf eines Döners gegen die Massentierhaltung und den kontinentalen Viehtransport der Mitgliedsländer der WTO?

Die Religionen, die ihre Götter in Häusern, Tempeln oder sonstigen Viadukten verorten, sind dem Kapital die angenehmsten Verächter unter den Kritikern des bösen Westens: Sie sind ihrem Eigentum verpflichtet, brauchen Notare, haben Baulasten und Grundstücksnachbarn, sind an die Medien der Ungläubigen angeschlossen und müssen den Winterdienst bezahlen, ob Gott es schneien lässt oder nicht.

Wenn Luther gewusst hätte, mit wieviel Raffinesse man es sich in zwei Reichen bequem machen kann, hätte er 1. es dem Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen oder Thomas Münzer überlassen, darüber nachzudenken, welche Möglichkeit die weltliche Obrigkeit hat, um für Ordnung zu sorgen. Und 2. hätte er noch mal darüber nachgedacht, ob man nicht doch mit guten Werken mehr erreichen kann, als durch den Glauben allein.

Hier Kohle machen und dort die elitäre Glaubensgemeinschaft mimen – dass ich nicht lache – morgen wird der Bertelsmann-Konzern die Verwaltung der großen Religionsgemeinschaften übernehmen, damit sich die Gläubigen auf die jenseitigen Dinge konzentrieren können.

Auch wenn die Kriege, die uns noch heimsuchen werden, alle wie Religionskriege aussehen, sie sind Kriege des Großkapitals. Die Kriegstreiber werden erst aufhören, wenn alle den Hobbesschen Vertrag unterschrieben haben. Dann bedarf es nicht mehr des Umweges über die Rüstungsindustrie um Profit zu machen, dann wird es eine Friedenssteuer geben, mit der man die Rüstungskonzerne für die Nichtproduktion entschädigen bzw. subventionieren wird.

L.R. Reihen und Folgen, 2009, unveröffentlicht